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Kronen Zeitung

vor 2 Stunden
SPG EdelserpentinBurgenland

UNTERHAUS-FUSSBALL

Lieber mit dem Nachbarn als mit elf Fremden?

krone Sport

Immer mehr Spielgemeinschaften werden ins Leben gerufen. Meist steht Identitätsverlust der einzelnen Vereine im Raum, dabei ist es für die Klubs selbst alternativlos. BFV-Präsident Johannes Wutzlhofer befürwortet diesen Weg der Kooperationen.


Von zwei auf 20! Was zur Saison 2015/16 noch eine Randerscheinung war, ist heute fester Bestandteil des burgenländischen Unterhausfußballs. Die Zahl der Spielgemeinschaften im Erwachsenenfußball hat sich verzehnfacht! Eine Entwicklung, die nicht über Nacht kam, sondern leise und fast unaufhaltsam durch Ortschaften zieht. Was früher ideologisch nicht für möglich gehalten wurde, ist heute vielerorts alternativlos. Und es wirft eine zentrale Frage auf: Ist es bloß ein Rettungsring in stürmischen Zeiten oder ein Modell mit Perspektive?

Ein aktuelles Beispiel liefert die Kooperation zwischen Hirm und Zillingtal. Seit dem vergangenen Sommer tritt man als ein Verein auf. Die Gründe? „Rein personeller Natur – Funktionäre haben uns gefehlt“, berichtet Neo-Obmann Manuel Stevanovic. „Jeder hat aber weiterhin seine eigenen Werte – genau das macht es so stimmig.“

Dass durch eine Spielgemeinschaft nicht zwangsläufig Identität verloren geht, zeigt auch die SpG Nikitsch/Kroatisch Minihof. „Es wird alles brüderlich geteilt. Das funktioniert so gut, weil man sich gut kennt und schätzt“, sagt Christian Balogh. Von Rivalität oder Missgunst keine Spur. Ganz im Gegenteil: „Uns würde es in dieser Form nicht mehr geben.“

Bild: Facebook / Nikitsch/Kroatisch Minihof

Im Süden des Landes sah die Sache ähnlich aus. Die SpG Edelserpentin ist seit 2018 im Spielbetrieb. „Bis dahin hatten wir drei Vereine in einer Gemeinde – da ist es klar, dass es sich vorne und hinten nicht ausgehen konnte“, erinnert sich Obmann Peter Schönfeldinger. „Finanziell war es zu Beginn schwierig, um alles unter einen Hut zu bringen. Sportlich hat sich der Zusammenschluss ausgezahlt – da hat sich einiges getan.“ Seit Jahren spielt man in der Burgenlandliga und hat nur Positives übrig für den zu Beginn kritisch beäugelten Zusammenschluss.

"„Bei 90 Prozent auswärtiger Spieler kann kein Vereinscharakter entstehen. Leute wollen ihre eigenen Burschen sehen – Gesichter aus der Ortschaft.“"BFV-Präsident Johannes Wutzlhoferfan.at quote icon

„Fußball breiter denken“
Von Seiten des Verbands will man den Klubs keine Steine in den Weg legen. Stattdessen befürwortet man diesen Weg ausdrücklich und sieht die Spielgemeinschaften als wichtigen Baustein für den Erhalt des Unterhausfußballs. Die Gründe für diesen Trend liegen tiefer: gesellschaftliche Veränderungen und mehr Konkurrenz durch andere Sportarten. Die Folge sind weniger Nachwuchs und entsprechend fehlende Spieler in den Kampfmannschaften. „Genau da muss angesetzt werden, denn Fußball muss breiter gedacht werden – und Zusammenschlüsse sind dabei ein gutes Mittel“, unterstreicht BFV-Präsident Wutzlhofer. Kritische Stimmen gibt es dennoch, immer wieder ist von Identitätsverlust die Rede. Doch was ist die Alternative? Ganz „zudrehen“ oder eine Mannschaft voller Legionäre – auf lange Sicht eine finanzielle Katastrophe. „Bei 90 Prozent auswärtiger Spieler kann kein Vereinscharakter entstehen“, lautet die klare Ansage von Wutzlhofer. „Leute wollen ihre eigenen Burschen sehen, Gesichter aus der Ortschaft.“

Bild: Imre Antal

Der Tenor ist eindeutig. Für die meisten Beteiligten ist eine derartige Kooperation keine Übergangslösung, sondern ein Modell mit Perspektive. „Lieber eine Spielgemeinschaft als ein Team mit elf Legionären“, hört man immer wieder. Der burgenländische Fußball hat sich bewegt. Nicht aus Lust, sondern aus Notwendigkeit. Tobi Frank


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